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Interview: Roger Hassler

Hallo Roger, magst du dich meinen Lesern kurz vorstellen:

Ich habe einen kaufmännische Berufsausbildung absolviert. Das Verkaufen von Autoersatzteilen hat mich aber damals absolut nicht angesprochen, so dass mir meine Eltern (nach zusätzlichen Schulbankdrücken) das Studium zum Grafik Designer ermöglich haben. Aber wie kam ich eigentlich zu Grafik & Design.

Angefangen hat alles mit den Commodore-Computern in den 80ern. Dort hat mich die grafische Ausgabe der Computer immer am meisten fasziniert. Angefangen mit ASCII-Code-Motiven in Basic zu gestalten, bis hin zu komplexen Motiven und Animationen auf dem AMIGA-Computer.

Mit Deluxe Paint (vielleicht kennt das der eine oder andere das noch) habe ich dann das Erzeugen von Licht & Schatten kennengelernt. Ich habe Plattencover und Kinoplakate abgemalt und interpretiert und sogar eine eigene Public Domain Disketten-Serie ins Leben gerufen. Es resultierte daraus meine ersten Autorenerfahrungen in dem ich über Deluxe Paint Artikel für Magazine und Bücher verfasste.

Dank den ersten Malprogrammen war ich vom Gestalten sehr angetan. Es folgte ein Ausflug in die klassischen Malmittel. Angefangen mit Aquarell, Acryl, Öl und Bleistift bis hin zur Airbrushtechnik – bei der ich bis heute ebenfalls hängen geblieben bin.

Erst im Praktikum und auf der Fachhochschule bin ich dann wieder mit dem quasi „Digitalen Malen“ in Berührung gekommen. Ich hatte im Studium z.B. die Möglichkeit an einer alten Quantel Paintbox (damals die teuersten Grafikcomputer der Welt) zu spielen – welch ein Erlebnis.

Nach Abschluss meines Studiums zum Grafik-Designer beschäftigt man sich natürlich auch mit der Creative Suite von Adobe. Bei einer der ersten Creative Suite Touren wurde ich dann auf das Cintiq 21 UX aufmerksam. Das kam gerade auf den Markt und wurde von Wacom auf der Tour präsentiert. Ich war sofort absolut fasziniert von dem Gerät und ich musste es haben… Egal ob Wasser und Brot das Teil musste her.

Der Einstieg viel einem sehr leicht, nach 20 Minuten hatten man es raus und die ersten Motive – nennen wir es Speedpaintings – entstanden. Natürlich habe ich schon viel Jahre davor mit Grafiktabetts gearbeitet, aber erst durch das Cintiq bin ich überhaupt wieder (nach der AMIGA Zeit) zum digitalen Malen gekommen. Seit dem war ich infiziert – bis heute.

Man liest aus deiner Antwort, dass du von Anfang an mit Herzblut dabei warst. Würdest du Einsteigern denn generell empfehlen, zunächst „analog“ zu zeichnen/malen?

Im Zeitalter von Grafiktablet und Pen-Display kann man auf seinen „analogen Bleistift“ verzichten. Aber wer seine Ideen unabhängig von Strom und Ort entwickeln möchte, arbeitet sicherlich nach wie vor mit Skizzenbuch uns Stift. Technisch ist alles erlaubt und möglich. Auf Papier skizzieren, einscannen und dann mit Photoshop weiter bearbeiten ist ein sicherer Workflow.

Ich trace sehr oft Fotovorlagen für Kontur-Skizzen durch – das ist ja gerade mit Photoshop und den Ebenen eine schöne Sache. Aber man kann auch mit dem IPad seine Skizze fotografieren und direkt mit einem App weiter malen. Was auch geht, ist das Erarbeiten eines Motivs in digitaler Form und dann auf Leinwand ausdrucken. Die gedruckte Leinwand kann man dann mit herkömmlichen analogen Malmitteln sei es Öl, Acryl oder Airbrush weiterbearbeiten.

Wer schnell ins digitale Malen einsteigen möchte und noch Probleme beim Skizzieren und der Wahrnehmung von Licht, Schatten und Volumen hat ist natürlich mit dem „analogen“ Zeichen auf Papier z.B. in einem Aktzeichenkurs, Aquarellkurs oder Stillleben-Workshop ebenfalls gut aufgehoben.

Man kann von beiden Welten lernen oder auch kombinieren. Beim digitalen Malen kann man sehr schnell seine Idee realisieren und viel ausprobieren. Das geht mit Öl und Acryl nicht so gut. Dafür erhält man durch analoge Malerei tolle Strukturen und Unikate.

Ich denke, dass heranwachsende Generationen nun mit dem Grafiktablett (siehe uDraw von WII Nintendo, Colorelli von Wacom, Nintendo 3ds, IPad, Tablet PC ) mehr in Berührung kommen als noch vor 5 Jahren und somit die Lust am digitalen Malen erhalten.

Was hältst du dabei von den „Gesetzen der Gestaltung“, wie etwa dem goldenen Schnitt? Unbedingt lernen oder zunächst nur dem Gefühl folgen?

Gestaltung ist oftmals Gefühl oder eine „Bauchsache“. Natürlich kann man das trainieren und weiter fördern. In der Fachhochschule nannte sich das Gestaltungsgrundlagen (oder so ähnlich) – wir haben tonnenweise Balken geschnitten und in unterschiedlichen Formationen in rechteckige Muster geklebt, oder Buchstaben zerschnitten und daraus neue Elemente geformt. Das ganze diente zur Erforschung der Raumaufteilung und dessen Wirkung.

Der goldene Schnitt begegnete mir dann eher bei der Typografie und Buchgestaltung als beim Aufbau von Fotos und Illustrationen. Aber natürlich wird es dort ebenfalls angewendet. Wer sich nicht sicher ist kann heutzutage schnell mal den goldenen Schnitt googeln und die Aufteilung der Fläche über das Motiv auf eine extra Ebene legen.

Corel Painter hat diese Funktion sogar direkt in die Software eingebaut, so dass man jederzeit prüfen kann, ob das Bildelement auch an der Stelle ist wo es evtl. noch besser aussehen könnte. Wäre schön, wenn Photoshop so ein paar Raster ebenfalls mal mitliefern würde.

Wo du es gerade ansprichst: Photoshop ist natürlich dein wichtigstes Werkzeug. Kennst du gute Plugins oder andere Erweiterungen (wie etwa auch Pinsel), die du empfehlen kannst?

Na da fragst Du genau den richtigen. Also ich begrenze das mal auf das Thema Digital Painting, und muss gestehen, dass ich im wesentlichen immer die Standardpinsel von Photoshop verwende. Am liebsten benutze ich den Airbrush-Rund-Weich-Pinsel, da ich ja auch aus der Airbrush-Ecke komme. Mit den Kreidepinseln kann man je nach Größe und Deckkraft schon tolle Strukturen machen.

Und für Hautporen und Haare – ist ein Pinsel mit wenigen Punkten innerhalb von Sekunden selbst schnell erzeugt. Meine Vorgehensweise kann man im Digital Painting Workbook (www.digital-painting-buch.de) ganz gut sehen oder in den beigefügten Videos mit über die Schulter schauen.

Es gibt sicherlich eine Menge Plugins die einem das Leben erleichtern, aber Photoshop ist mittlerweile so umfangreich und mächtig (wie. Z.B. 3D Funktion, Landschaften zusammenfügen, „Inhalt bewahren“-Funktion) das man meiner Meinung jedenfalls in meinen Anwendungen das nicht benötigt.

Ganz interessant fand ich allerdings den „Pixel Bender“ den man vom Photoshop LAB herunterladen kann um Bilder umzuwandeln, z.B. in einen Ölgemälde ähnlichen Zustand.

Ok, also konzentrierst du dich auf Photoshop. Woher bekommst du da deine Ideen/Inspiration? Schaust du dir gerne Portfolios anderer Künstler an, und kannst du uns welche empfehlen?

Ich verwende zum größten Teil Photoshop, das ist richtig. Aber Programme wie Art Rage und Corel Painter helfen mir bestimmte Bildeffekte zu erzielen. Also wenn es z.B. darum geht ein Motiv mit natürlichen Malstrukturen darzustellen. Aber zu Deiner Frage zurück: da würde ich sagen „Volltreffer“ – ich schau mir gerne Bildbände an. Meine Regale biegen sich schon davor.

Leider gibt es wenig in deutscher Sprache, aber doch einiges mittlerweile in Englisch. Bildbände von 3DTotal oder Ballistic Publishing sind da auf jeden Fall hervorzuheben. Neben den Digital Painting, Concept Art und Matte Painting Bildbändern sind aber auch die Making of Bildbände eine wahre Inspirationsquelle.

Eine Empfehle wären da die Bildbände von Star Wars Episode 1 bis 3. Dort ist sehr schön zu sehen, wie ursprünglich noch mit Acryl und Copic Markern die Concept Arts erstellt wurden und dann in Epsiode 3 komplett alles in Photoshop und Painter gemalt ist. Der Laie sieht kein Unterschied – sehr erstaunlich! Natürlich empfehle ich gerne ein paar Portfolios.

Zum einen Ryan Church und Dylan Cole wenn es um Matte Painting Techniken geht oder Neville Page wenn es um Charakter-Design geht. Aber auch die alt eingesessenen Legenden wie Syd Mead (Evironment Design, Vehicle Design) oder H.R.Giger (Biomechanik) sind wahre Inspirationsquellen für jeden Gestalter um nur einige zu nennen.

Pure Inspiration, wie auch deine Bilder. Gibt es in deinem Bereich auch Optionen, die digitalen Kunstwerke richtig auszustellen? Gibt es eine Szene, die sich trifft? Oder ist doch alles eher virtuell?

Das Ausstellen von digitalen Kunstwerken ist technisch jedenfalls super möglich. Man kann seine Kunstwerke auf unterschiedlichste Gründe drucken, wie im klassischen Sinne z.B. auf einen Keilrahmen. Aber nicht jeder der sich mit Bildbearbeitung oder digitalen Malen beschäftigt kennt sich damit aus oder hat es schon mal ausprobiert. Da herrscht noch oft Aufklärungsbedarf. Ausstellungen sind mir nicht geläufig. Aber Illustrationen werden ja sowieso recht wenig ausgestellt.

In der Tat werden die meisten Kunstwerke in Internetforen und Communitys veröffentlicht. Das geht schnell und unkompliziert. Die Künstler bekommen wenn Sie Glück haben sofort eine Reaktion und Bewertung. Finde ich manchmal echt schade, da wir recht wenig Lesergalerie-Einsendungen für unser 2DArtist-Magazin bekommen.

Im Sommer gab es hier in Hamburg eine Ausstellung von internationalen Künstler die mit dem IPAD malen. Aber richtig ausgestellt waren die Werke leider auch nicht. Veranstaltungen rund um das Thema digitales Malen sind in Deutschland eher rar. Vor ein paar Wochen gab es die Digital Art Convention in Berlin, organisiert vom Digital Art Forum mit über 100 Teilnehmern.

Einen Nachbericht gibt es bei uns in der nächsten 2DArtist Ausgabe. Und auf der Tion2011 gab es ebenfalls paar Vorträge zu dem Thema. Aber das war es schon – wie Du siehst noch recht dürftig und „unterbelichtet“. Das ist alles noch Baustelle und wir versuchen im nächsten Jahr zumindest mal für die Künstler in Hamburg eine Lösung anzubieten. Mehr wird dazu aber noch nicht verraten.

Ein toller Ausblick, der neugierig macht. Ich bedanke mich für dieses Interview.